1700 Jahre Ökumenisches Konzil von Nizäa
Wussten Sie schon?
Erinnerung an "Ein Schlüsselmoment in der Geschichte des christlichen Glaubens"¹
Hier sehen Sie die Nizäa Ikone 2025, die im Auftrag der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland (OBKD) eigens für das Jubiläumsjahr 2025 geschrieben worden ist. ²
Die Ikone zeigt den römischen Kaiser Konstantin den Großen, 33 von 318 Bischöfen des Reiches, u. a. Niko- laus von Myra³, den Heiligen Geist und das wichtigste Ergebnis, in griechischer und deutscher Schrift im Halbbogen am unteren Rand geschrieben, das Glaubensbekenntnis. Die Ikone wird in diesem Jahr durch Deutschland reisen, um bei allen Feiern in Kirchgemeinden anwesend zu sein.
Der römische Kaiser hatte für den Mai 325 erstmalig zu einer reichsweiten Versammlung (Konzil) der Bischöfe nach Nizäa, heute İznik, eingeladen. In der Kleinstadt an einem See gelegen, zwei Autostunden südlich von Konstantinopel, heute Istanbul, befand sich der Sommerpalast des Kaisers, der Tagungsort.
Ein anhaltender erbitterter Streit über das Verhältnis von Jesus Christus zu Gott drohte die Christenheit zu spalten. Es musste eine bindende Entscheidung her, die die Einheit nach der Zeit der Verfolgung sichern könnte. Zudem sollte des Osterdatum und die Struktur der Kirche geregelt werden.
Für die Reise innerhalb des Reiches stellte der Kaiser, um die Teilnahme möglichst vieler zu sichern, kostenlos die Reichspost zur Verfügung. Die meisten Teilnehmer kamen aus dem Osten des Reiches, wenige reisten aus dem Westen an.
Doch auch aus Ländern außerhalb des Reiches, wie aus Persien ein Bischof Johannes, kamen Bischöfe zum Konzil. Obwohl es kein Protokoll von der Versammlung gibt, bürgen Berichte von Zeitzeugen und Erwähnungen in nachfolgenden Konzilsdokumenten für die Geschichte des Konzils.
Der Streitpunkt war, ist Jesus Christus nur ein Mensch und damit Gott untergeordnet, vertreten von dem Priester Arius und Christen des griechischen Sprachraums, oder Mensch und Gott? Ist er Gott wesensähnlich oder wesensgleich? Diese Frage wurde auf dem Konzil grundsätzlich geklärt. Basierend auf bereits vorhandenen orientalischen Taufbekenntnissen wurde ein Glaubensbekenntnis formuliert. ⁴ „Es ist die erste allgemeingültige und anerkannte schriftliche Ausdrucksform des christlichen Glaubens, die über das Zeugnis der Heiligen Schrift hinausgeht.“⁵
Zugleich etablierte sich ein Entscheidungsorgan, das beanspruchte, Gesetze und Regeln für die damals bekannte „oikoumene“, also die ganz bekannte Erde, aufzustellen. Dass es noch Jahrzehnte bzw. Jahrhunderte dauerte, bis sich das Bekenntnis und die damit verbundene Lehre ausbreitete, ist selbstredend. Die Verbreitungswege kannten noch keine Echtzeit, die Influencer hatten beschwerliche Wege und eine schwierige Infrastruktur.
Ich glaube an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer alles Sichtbaren und Unsichtbaren.
Und an den einen Herrn Jesus Christus, den Sohn Gottes, der als Einziggeborener aus dem Vater gezeugt ist, das heißt: aus dem Wesen des Vaters,
Gott aus Gott, Licht aus Licht, wahrer Gott aus wahrem Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater (homoousion to patri);
durch den alles geworden ist, was im Himmel und was auf Erden ist;
der für uns Menschen und wegen unseres Heils herabgestiegen und Fleisch geworden ist, Mensch geworden ist, gelitten hat und am dritten Tage auferstanden ist, aufgestiegen ist zum Himmel, kommen wird um die Lebenden und die Toten zu richten;
Und an den Heiligen Geist.
Diejenigen aber, die da sagen „es gab eine Zeit, da er nicht war“ und „er war nicht, bevor er gezeugt wurde“, und er sei aus dem Nichtseienden geworden, oder die sagen, der Sohn Gottes stamme aus einer anderen Hypostase [Person] oder Wesenheit, oder er sei geschaffen oder wandelbar oder veränderbar, die verdammt die katholische Kirche. [richtig: die belegt die katholische Kirche mit dem Anathema – Kirchenbann, Ausschluss]
Der Artikel zum Heiligen Geist, dessen Verhältnisbestimmung 325 noch unbestimmt blieb, wurde auf dem Konzil von Konstantinopel 381 ausformuliert (s. EG Nr. 805). Es bildet die Grundlage des heutigen Verständnisses der Dreieinigkeit (Trinität), Gott in drei Personen und von den zwei Naturen Jesu.
Das spätere apostolische Glaubensbekenntnis wird nur in der westlichen Christenheit gesprochen. Das von Nizäa-Konstantinopel wird bis heute in der römisch-katholischen, orthodoxen und protestantischen Christen- heit gebetet, damit ist es das einzige ökumenische.
Aufgrund unterschiedlicher Berechnungen in der westlichen (Rom) und östlichen (Alexandria) Christenheit, wurde die Auferstehung Jesu nicht am gleichen Tag gefeiert. Schon länger gab es den Wunsch, dies zu ändern. Auch Konstantin wollte dies und so wurde auf dem Konzil festgelegt, dass Ostern am ersten Sonntag nach dem ersten Frühjahrsvollmond zu feiern sei. Um sich vom Judentum abzugrenzen, sollte der Tag aber nicht mit dem jüdischen Pessach-Fest zusammenfallen.
Diese jahrhundertelang geltende Regel wurde allerdings durch die gregorianische Kalenderreform 1582 wieder hinfällig. Die Orthodoxe Christenheit, dem julianischen Kalender folgend, feiert Ostern am 28. April 2025.
Der Ökumenische Rat der Kirchen stellt auf der 6. Weltkonferenz für Glauben und Kir- chenverfassung im Oktober 2025 die Erinnerung und Vergegenwärtigung des Konzils von Nizäa für die Einheit der Christenheit ins Zentrum. Das Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel ist kein leicht zu sprechender Text. Er wird bei uns auch selten im Gottesdienst gesprochen. Im Jahr 2025 gibt es die Bitte, anlässlich des Jubiläums, unseren Glauben häufiger mit dem Nicänum-Konstantinopolitanum zu bekennen.
S. Reister
¹ Zitat entnommen https://www.domradio.de/artikel/2025-wird-das-1700-jahrs-jubilaeum-vom-nizaea-konzil-gefeiert.
² Copyright-Angabe: Nizäa-Ikone 2025, zeitgenössisch gemalt von Anastasios Voutsinas und Eleni Voutsina, Thessaloniki 2024. © Griechisch-Orthodoxe Kirchengemeinde Christi Himmelfahrt zu Berlin https://www.oekumene-ack.de/nizaea2025/materialien.
³ Die genaue Anzahl der Teilnehmenden sowie die des Bischofs ist historisch nicht belegt.
⁴ Die kursiv gesetzten Teile sind Zusätze des Konzils, die sich in keinem früheren Bekenntnis finden.
⁵ Zitat entnommen https://www.oekumene-ack.de/nizaea2025/ueber-nizaea-2025.
vom